Samstag, 24. September 2016

Von Plettenberg Bay nach Oudtshoorn



Südafrika/ Tag 12 (Fr.) - 2.9.2016

Der letzte Morgen in unserem schönen Hotel in Plett war wie der vorangegangene Abend regnerisch. Aber als Optimisten waren wir trotzdem der Meinung, dass wir bisher sehr viel Glück mit dem Wetter gehabt hatten.

Um 9 starteten wir Richtung Oudtshoorn. Wir bogen ins Landesinnere ab und legten einen kurzen Stopp in George ein, einer größeren Stadt, die uns auf den ersten Blick nicht besonders beeindruckte, aber wir wollten auch nur einen Kaffee trinken und Geld tauschen. Wir fanden auch schnell eine Bank, mussten einen Zettel ziehen und warten. Dabei wurden auf einem Monitor kurze Werbefilme abgespielt und die Nummern des nächsten mit Schalter-Nummer, wo man sich hinbegeben sollte, eingeblendet. Vor uns waren nur zwei weitere Wartende dran, es wurde uns eine kurze Wartezeit versprochen. Als wir nach 40 Minuten immer noch nicht an der Reihe waren und uns beschwerten, schaute die Aufsichtsdame in der Kammer nach, in die wir so gern rein wollten, da standen zwei Frauen drin, lustig plaudernd ins Gespräch vertieft (seit 30 Minuten.!!!) und man konnte uns nicht sagen, wie lange das noch dauern würde. Wir verließen wütend die Bank. Das gleiche Spiel wiederholte sich in Oudtshoorn: nur eine Frau vor uns, aber es dauerte 1,5 Std! In der Schlange hatten die Menschen, die an anderen Schaltern bedient werden konnten, schon Mitleid mit uns und erzählten, dass es in Südafrika immer so sei. Trotz Digitalisierung - extremer Papierbürokram.
Wenn mir nochmal jemand oder ein Reiseführer erzählt, dass man am besten Bargeld nach Südafrika mitnimmt, weil man kaum mit Karte bezahlen könne, der bekommt Prügel.
Die Fahrt zwischen den beiden erwähnten Orten war allerdings sehr schön. 

Wir fuhren einen gut ausgebauten Pass entlang und überquerten ein Gebirge. Danach veränderte sich die Landschaft total: Die Berge sind weniger und wenn nur mit flachen Büschen bewachsen, die Farben änderten sich schon langsam von sattem Grün zu rotem und beigem Stein. Die ersten Strauße standen am Straßenrand, denn Oudtshoorn ist das Straußenzuchtzentrum Südafrikas.

Auf der Bergspitze während unserer Fahrt über den Pass waren wir von Wolken eingehüllt und lernten, dass die Autofahrer in so einem Fall, also bei Nebel, hier mit Warnblinker fahren.

Im Tal hielten wir an einem Farm Shop. Dort gab es-wie in dieser Gegend überall- Staubwedel und Besen. Erstere, sind aus Straußenfedern (in dem Fall von einem transsexuellen Stauß), zweitere aus Wildschweinhaaren, meist aus den Barthaaren der Eber.

Wir durchfuhren dann nach dem „kurzen“ Bankaufenthalt den Ort Oudtshoorn und fühlten uns mit Blick auf die Straße wie in den Südstaaten der USA: Schwarze Menschen mit bunten Klamotten, teilweise in Uniform, Familien mit vielen Kindern: Was für ein Gewusel, dazu amerikanisch klingende Straßenmusik. Aber wahrscheinlich waren wir jetzt wirklich in Afrika. Bisher war das Gefühl für uns doch eher europäisch.

Wir wohnten etwas außerhalb des Ortes in einem idyllischen, sehr friedlichen gelegenen Guesthouse, der Montana Guest Farm. Sie befindet sich ca. 10 km hinter Oudtshoorn, im Cango Valley in dem kleinen Ort Schoemanshoek.

Im Prinzip besteht dieser Ort nur aus ein paar kleinen Häusern, Straussenfarmen, Guesthouses und der Montana Guest Farm.
Nun ja, dachten wir, für eine Übernachtung auf dem Weg nach Hermanus über die R62, mit kleinem Umweg über die R328 wird es schon ausreichen, um hier ein paar Tiere zu sehen, sich für die längere Reise auszuruhen und ein bisschen Straußenfleisch zu essen. Aber es kam besser.
Der Weg führte uns über einen Schotterweg, an der Kirche vorbei zur Farm. Schon die Auffahrt versetzte uns in die Zeit des 19. Jahrhunderts zurück. Mehrere wunderbar restaurierte Häuser, eingebettet in Wiesen, Bäumen, Kakteen und Blumen ließen die Zeit ein wenig langsamer laufen. Ein bisschen fühlten wir uns wie Scarlett O’Hara aus "Im Winde verweht"

Der Empfang im Rezeptionshaus, welches auch das Restaurant beherbergt, war sehr freundlich. Nach kurzer Begrüßung und Fragen nach Wünschen ging es, vorbei an den wunderschönen Häusern, Pool, Terrassen und Wiesen, in den hinteren Teil der Farm, zur Kaktussuite, gelegen in einem Kaktusgarten mit eigenen Pool. 

Die Suite ist ein Traum: 80 qm, mit freistehendem Whirlpool, Boxspringbetten, Sitzgruppe, 2 Terrassen und mit Fußbodenheizung. 


Von unserem Fenster aus schauen wir auf einen kleinen Friedhof. Dort sind die Besitzer dieser ersten Straußenfarm, auf der wir jetzt eine Nacht wohnen werden, begraben. Sie gaben diesem kleinen Ort auch den (ihren) Namen Schoemanshoek.
Alles schien schon ein wenig in die Jahre gekommen, machte aber nichts, da der Charme der Einrichtung, die frischen Blumen im Zimmer und der Ausblick alles wieder wett machte.
Wir kochten uns einen Kaffee, legten uns auf die weich gepolsterten Liegen am Pool und kamen erstmal an.
Danach erkundeten wir kurz die Farm, gingen zum Haupthaus und trafen dort Wolfgang, Besitzer und Seele der Anlage. Er, ein älterer, sehr feiner Herr, ist Deutscher der in den 70-ern nach Südafrika auswanderte und vor 15 Jahren diese schon über hundert Jahre alte Farm erwarb und liebevoll restaurierte und ausbaute.
Schon jetzt wollten wir nicht mehr von seiner Seite weichen, seine blumigen Erzählungen über die Region und deren Möglichkeiten, ließen uns bereuen, hier nur eine Nacht zu bleiben.
Dann fuhren wir auf die nahe gelegene Straußenfarm.

Das ist eine reine Showfarm, deren Tiere alt (50-70) und von den Besuchern unter Aufsicht angefasst werden dürfen.
Da auch ihre Tiere Nachwuchs zeugen, aber nicht mehr als 100 auf dieser Farm leben dürfen/können, werden die Eier ausgebrütet und an die Nachbarfarm verkauft, die die Tiere dann später (mit 11 Monaten, sonst wird das Fleisch zäh) schlachten.
Die junge Frau, die uns über die Farm führte, war sehr lustig, konnte auch ein bisschen Deutsch und hat uns viel Neues erzählt. Was ich mir davon gemerkt habe:

• Die Staußenfarmer haben in Südafrika bis zum ersten Weltkrieg richtig viel Geld verdient mit den Federn, die damals sehr wertvoll waren. Heute verdienen sie eher mit dem Fleisch und dem Leder, aber lange nicht mehr so viel.
• Das Gehirn eines Straußes ist kleiner als sein Auge ("Das Licht ist an, aber keiner ist zu Hause!")
• Wenn Strauße verliebt sind, färben sich ihre sonst gelben Beine und Schnäbel rot.
• Sie können Ihren Kopf 360 Grad drehen.
• Sie haben nur 2 Zehen.

• Sie fressen immer Steine, davon verbleiben ständig 2 kg im Magen. Damit wird das Futter zermahlen. In einem Rahmen konnten wir den Mageninhalt eines Tieres bewundern. Neben Steinen fand man darin auch Holz-und Metallstücke, einen Lippenstift und einen Highheel-Absatz. ("Was mit der Frau passiert ist, wissen wir nicht!")
Als wir gerade in unsere Unterkunft zurückkamen, besuchte uns der Koch, um zu fragen, was wir essen wollen. Na ratet Mal, was wir uns Leckeres aussuchten?
Pünktlich um 18:30 Uhr gingen wir zum Restaurant, dort erwartete uns der Hausherr im Anzug im Kaminzimmer. 

Außer uns war noch eine schwäbische Familie mit zwei Jungs – ca. 11 Jahre- in der Montana Guestfarm zu Gast. Bei einem Gläschen Portwein plauderte Wolfgang mit uns über SÜDAFRIKA, sein beeindruckendes Leben als Anwalt (u.a. für die UNO in Sachen Apartheid und für Mandela, hat jetzt noch eine Kanzlei in Leipzig, ist gebürtig in Halle / Saale, war in seiner Jugend FDJ-Sekretär und DSF- Leiter, nach dem Abi flohen seine Eltern mit ihm nach Frankfurt a.M.) und offerierte uns dann, dass er zur Feier des Tages einen Freund, den ehemaligen Bürgermeister von Oudtshoorn eingeladen hätte.

Der kam dann auch (James) mit Gattin Rose und leicht behindertem Sohn Jamsy. Was für eine Runde! Wir plaudern alle ungezwungen und erleben Gastfreundschaft pur. Danach bat uns der Koch an einen großen, festlich eingedeckten Tisch, wo der Gastgeber leckeren Wein kredenzte. 

Oder anders gesagt: Ab da floss der Rotwein in Strömen. Übrigens ließen der Bürgermeister und seine Familie auch beim Essen die Winterjacken an, obwohl der Kamin feuerte und eine extra Heizung neben dem Tisch stand, aber das scheint in Südafrika im Winter üblich zu sein. Wir sahen das noch öfter.
Vor dem Essen fassten alle ihren Sitznachbarn an die Hand und James betete für uns und gutes Wetter.
Das Essen war erstklassig, es gab natürlich Strauss und als Dessert Zabaione, Hand gemacht!!! Der Abend klang bei Wein, Espresso und guten Gesprächen auf Deutsch und Englisch aus.

Der Bürgermeister erzählte uns (sogar mehrmals), wie sein Freund Wolfgang („our Oudtshoorn Ambassador“) der Stadt hilft, Schüleraustausch zwischen Oudtshoorn und Dresden organisiert, dass Südafrika mehr Touristen braucht und dass wir Werbung für sein schönes Land machen sollen. Es war ein wirklich phantastischer Abend.

Bis bald...
Tatjana

Übrigens, i
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