Montag, 19. September 2016

Von Knysna nach Tsitsikamma



Südafrika/ Tag 8 (Mo.) - 29.8.2016

Gerhards Vogel war wieder da! Was für eine Freude bei allen Beteiligten.

Nach dem Frühstück sind wir los, haben uns von Gerhard verabschiedet und sind gleich noch in die Stadt gefahren, um Geld zu tauschen. Auf der Straße vor der Knysna Mall wies uns ein Schwarzer in Warnweste in einen Parkplatz ein. Das ist hier oft so. Man gibt dann 5 Rand dafür, dass auf das Auto aufgepasst wird. Unser heutiger Parkwächter begrüßte uns mit einem fröhlichen Guten Morgen, ohne, dass wir etwas gesagt hätten. Keine Ahnung, woran er merkte, dass wir Deutsche sind. Er heißt  Joseph, stammt aus Namibia, fährt einmal im Monat nach Hause. Er war bestimmt schon 70. Sofort, als ich ausstieg umarmte er mich fest zur Begrüßung und erzählte aus seinem Leben. Er sei Jazzsänger, verkündete er stolz und sang uns gleich zwei Lieder vor. Ein total fröhlicher Typ!
Dann gingen wir zur Bank. Am Eingang wurden wir sofort von einem bewaffneten Securiry- Mann in Empfang genommen und an den richtigen Schalter geführt. Ein Schwarzer, der hinter uns in der Schlange stand, ließ sich von uns eine Euro- Note zeigen und bestaunte sie. Die Schlange war zum Glück kurz, wir waren schnell dran, aber dann begann eine lange Prozedur. Zuerst wurden alle Personalien aufgenommen, der Reisepass wurde kopiert, wir mussten mehrere Zettel unterschreiben, Fragen beantworten usw., dann erst bekamen wir unser Geld. Bei unserer Rückkehr auf dem Parkplatz, drückte uns Joseph wieder an seine Brust, wir gaben etwas mehr Tipp und fuhren gut gelaunt nach Tsitsikamma.

Der Tsitsikamma Nationalpark ist der größte erhaltene Urwald in Südafrika und schlängelt sich ca. 80 km an der Küste des Indischen Ozeans entlang. Von der Straße aus konnten wir riesige Schluchten, dichte Wälder, Berge und Flüsse sehen und natürlich auch wieder marodierende Pavian-Gangs, die von LKW-FAHRERN durch lautes Hupen vertrieben werden.
Wir erreichten gegen 11 Uhr Storm-Revier, einen kleinen Ort mit einem Hotel, ein paar B&B´s und Restaurants, direkt am Rand des Nationalparks gelegen.
Unser Hotel heißt Tsitsikamma Village. Wenn man, wie wir, bis jetzt durch die freundliche Aufnahme und den herzlichen Service der Guesthouses entlang der Gardenroute verwöhnt worden war, empfand man dieses Hotel als vermeidbares Kontrastprogramm. Man empfing uns unfreundlich, fast ignorant und informierte uns, dass die Zimmer erst ab 14 Uhr zur Verfügung stehen.

Nun ja, kein Problem, nur etwas verwunderlich, da das Hotel nicht Eindruck erweckte, gerade ausgelastet zu sein und uns dies hier in Südafrika noch nie passiert war. Egal, wir begaben uns auf eine Zipping-Tour, bei der man an Stahlseilen schwebt. 

In unserem Fall zippten wir über den im Osten des Parks gelegenen schwarzen Fluss, zwischen Felsen, über Bäume und Wasserfälle. Wir sind an den Stahlseilen  immer von einem Ufer zum anderen geschwebt und hatten wirklich großen Spaß dabei. 

Zwischendurch mussten wir auf einen Berg steigen, um wieder runter rutschen zu können, was in Anbetracht von ca. 30 Grad und strahlendem Sonnenschein ziemlich anstrengend war.
Der schwarze Fluss ist so schwarz, weil in ihm irgendwelche ausgeschwemmten Pflanzenstoffe sind. Angeblich ist sein Wasser deshalb sehr gesund. Wir haben es nicht probiert, weil es so aussah, wie das Wasser im voll geregneten Aschenbecher.

Mit uns war ein Teil einer 8-köpfigen Familie aus Saudi Arabien unterwegs.  (3 Töchter, ein Sohn, ein Enkel und eine Enkelin sowie Mutter und Vater) Alle Frauen mit Burka und Kopftuch, die Mutter voll verschleiert. (Übrigens  können sie ihr Gesicht zum Essen durch das Öffnen einer Klappe vor dem Gesicht freilegen, wie ich beim Abendessen in unserem Botlierscop Game Ressort aus Neugier beobachtet habe)
Jedenfalls war es lustig mit ihnen unterwegs zu sein, nicht nur, weil so eine Burka mit dem angelegten Geschirr und ein Kopftuch mit Helm lustig aussehen, sondern weil sie Spaß hatten, juchzten, lachten usw. Die Guides sagten uns, dass immer mehr Menschen aus Saudi Arabien nach Südafrika kommen, das scheint sich dort gerade rum zu sprechen. Diese Familie hatte einen eigenen Fahrer, fuhr in einem Bus mit Anhänger für das Gepäck, alle, auch die kleinen Kinder hatten ein iPhone, teilweise golden, na, ihr wisst schon: denen geht's gut.

Danach begaben wir uns auf einen Spaziergang zum Big Tree, einem unendlich großen Baum mitten im Urwald. Der Urwald, sehr dicht mit seinen vielen bemoosten und verfallenden Riesenstämmen, ist unglaublich beeindruckend.

Der Weg führte zum Glück über Holzstege, denn die ersten Schlangen könnten wegen der Wärme, die an diesem Tag herrschte, eventuell wieder wach werden. Im Winter schlafen die Schlangen, aber im Sommer soll es extrem viele Puffottern geben, deren Biss ohne Gegengift nach 10 Minuten tödlich ist. 

Apropos freilebende Tiere: Gestern im Monkeypark erzählte uns Ricardo, unser Guide, dass Paviane nur vor Männern Angst hätten, nicht vor Frauen, man laut sein müsse und einen Stock schwingen, um sie zu vertreiben. Darum hatte JC auf dem Weg zum Big Tree einen Pavian-Abwehrstock gesucht, gefunden und mitgenommen. Der lag dann für den Rest unserer Reise fast ausschließlich im Kofferraum.
Nach der Rückkehr gegen 14:30 Uhr bekamen wir unser Zimmer, d.h. wir wurden aus der Ferne auf unser, am Ende der Anlage liegendes Zimmer hingewiesen und schleppten unser Gepäck, entgegen der Versprechung, dass bei unserer Rückkehr alles auf dem Zimmer sein würde, selbst.
Die Anlage des Tsitsikamma Village war rein äußerlich sehr schön mit ihren Häusern im Kolonialstiel rund um einen hübsch angelegten Platz mit Rasen und Blumen, aber wir bekamen ein Zimmer dahinter, in der letzten Ecke der Anlage. Schon der erste Eindruck vermieste uns die Laune. Schmuddelig und ungepflegt von außen, was sich nach innen nicht verbesserte.
Das Zimmer hatte seine besten Zeiten schon hinter sich, war spärlich eingerichtet, ohne Safe und ohne Heizdecke ausgestattet. Wir hatten sofort keine gute Laune, schimpften mit uns, weil wir so verwöhnt seien und fragten dann doch nach einer besseren Unterkunft. Nach einiger Mühe und Telefonaten gelang dies auch für einen Aufschlag von 23 € pro Nacht erhielten wir ein Zimmer am Hauptplatz der Anlage. Das Upgrade lohnte sich, das neue Zimmer hatte alles, was wir im ersten vermisst hatten, auch eine hübsche Terrasse mit Blick auf die Anlage. Die vielen Fliegen, die dort auf uns warteten, störten uns schon gar nicht mehr. Wir haben sie- dank bereit gestellter chemischer Keule- sofort eliminiert  und der Tag war gerettet.

Am Abend wollten wir eigentlich im Ort, in einem hübschen 50-er-Jahre-Restaurant, vollgestellt mit Devotionalien von Elvis und Marilyn essen, aber es hatte zu, wie fast alle Restaurants hier im Storms Revier, denn hier ist "low season". 

Es lohnt sich im Winter wohl nicht, für die wenigen Touristen zu öffnen. Wir fanden es trotzdem gut, ausgerechnet jetzt hier zu sein, denn hier soll es in der Saison extrem voll sein, wogegen wir fast einen Individualurlaub verlebten.
Wir landeten dann in einer schräg gegenüber von unserem Hotel gelegenen Pizzeria, einer kleinen Holzhütte mit einem Tisch, einem großen Pizzaofen, einem Weinregal und einem Bierkühlschrank. Auf einer Tafel standen die Zutaten geschrieben, von denen man sich genau vier als Auflage für seine Pizza aussuchen konnte. Eine kleine, schwarze Frau bereitete die Pizzas dann zu, ein junger, weißer Mann namens Jason gab uns Getränke. 

Da es kein Wein im Glas gab, musste ich eine ganze Flasche kaufen. Den Rest konnten wir später mitnehmen. Wir setzten uns draußen an einen wackeligen Holztisch. Daneben hatte Jason in einem Korb Feuer gemacht. Er setzte sich dann auch gleich zu uns, genau wie Apollo, ein obdachloser brauner Hund, der von der Pizzeriamutti mit Resten gefüttert wird.
Jason, ein 24jähriger, weißer Südafrikaner aus Port Elisabeth, der seine Mutter mit 9 Jahren verlor, dessen Bruder im vergangenen Jahr verunglückte, berichtete, dass er sich mit seinen zwei weiteren Geschwister und seinem Vater überworfen hätte und darum hierher gezogen sei , täglich zwölf Stunden und länger arbeiten müsse und noch nicht wisse, was er verdienen wird. Er erzählte ununterbrochen und ungefragt. Die Hälfte war sicher gesponnen, vieles haben wir nicht richtig verstanden, aber die Pizza war lecker und wir hatten auch dank Jason einen sehr netten Abend.

Bis bald...
Tatjana

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