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Montag, 19. September 2016

Von Knysna nach Tsitsikamma



Südafrika/ Tag 8 (Mo.) - 29.8.2016

Gerhards Vogel war wieder da! Was für eine Freude bei allen Beteiligten.

Nach dem Frühstück sind wir los, haben uns von Gerhard verabschiedet und sind gleich noch in die Stadt gefahren, um Geld zu tauschen. Auf der Straße vor der Knysna Mall wies uns ein Schwarzer in Warnweste in einen Parkplatz ein. Das ist hier oft so. Man gibt dann 5 Rand dafür, dass auf das Auto aufgepasst wird. Unser heutiger Parkwächter begrüßte uns mit einem fröhlichen Guten Morgen, ohne, dass wir etwas gesagt hätten. Keine Ahnung, woran er merkte, dass wir Deutsche sind. Er heißt  Joseph, stammt aus Namibia, fährt einmal im Monat nach Hause. Er war bestimmt schon 70. Sofort, als ich ausstieg umarmte er mich fest zur Begrüßung und erzählte aus seinem Leben. Er sei Jazzsänger, verkündete er stolz und sang uns gleich zwei Lieder vor. Ein total fröhlicher Typ!
Dann gingen wir zur Bank. Am Eingang wurden wir sofort von einem bewaffneten Securiry- Mann in Empfang genommen und an den richtigen Schalter geführt. Ein Schwarzer, der hinter uns in der Schlange stand, ließ sich von uns eine Euro- Note zeigen und bestaunte sie. Die Schlange war zum Glück kurz, wir waren schnell dran, aber dann begann eine lange Prozedur. Zuerst wurden alle Personalien aufgenommen, der Reisepass wurde kopiert, wir mussten mehrere Zettel unterschreiben, Fragen beantworten usw., dann erst bekamen wir unser Geld. Bei unserer Rückkehr auf dem Parkplatz, drückte uns Joseph wieder an seine Brust, wir gaben etwas mehr Tipp und fuhren gut gelaunt nach Tsitsikamma.

Der Tsitsikamma Nationalpark ist der größte erhaltene Urwald in Südafrika und schlängelt sich ca. 80 km an der Küste des Indischen Ozeans entlang. Von der Straße aus konnten wir riesige Schluchten, dichte Wälder, Berge und Flüsse sehen und natürlich auch wieder marodierende Pavian-Gangs, die von LKW-FAHRERN durch lautes Hupen vertrieben werden.
Wir erreichten gegen 11 Uhr Storm-Revier, einen kleinen Ort mit einem Hotel, ein paar B&B´s und Restaurants, direkt am Rand des Nationalparks gelegen.
Unser Hotel heißt Tsitsikamma Village. Wenn man, wie wir, bis jetzt durch die freundliche Aufnahme und den herzlichen Service der Guesthouses entlang der Gardenroute verwöhnt worden war, empfand man dieses Hotel als vermeidbares Kontrastprogramm. Man empfing uns unfreundlich, fast ignorant und informierte uns, dass die Zimmer erst ab 14 Uhr zur Verfügung stehen.

Nun ja, kein Problem, nur etwas verwunderlich, da das Hotel nicht Eindruck erweckte, gerade ausgelastet zu sein und uns dies hier in Südafrika noch nie passiert war. Egal, wir begaben uns auf eine Zipping-Tour, bei der man an Stahlseilen schwebt. 

In unserem Fall zippten wir über den im Osten des Parks gelegenen schwarzen Fluss, zwischen Felsen, über Bäume und Wasserfälle. Wir sind an den Stahlseilen  immer von einem Ufer zum anderen geschwebt und hatten wirklich großen Spaß dabei. 

Zwischendurch mussten wir auf einen Berg steigen, um wieder runter rutschen zu können, was in Anbetracht von ca. 30 Grad und strahlendem Sonnenschein ziemlich anstrengend war.
Der schwarze Fluss ist so schwarz, weil in ihm irgendwelche ausgeschwemmten Pflanzenstoffe sind. Angeblich ist sein Wasser deshalb sehr gesund. Wir haben es nicht probiert, weil es so aussah, wie das Wasser im voll geregneten Aschenbecher.

Mit uns war ein Teil einer 8-köpfigen Familie aus Saudi Arabien unterwegs.  (3 Töchter, ein Sohn, ein Enkel und eine Enkelin sowie Mutter und Vater) Alle Frauen mit Burka und Kopftuch, die Mutter voll verschleiert. (Übrigens  können sie ihr Gesicht zum Essen durch das Öffnen einer Klappe vor dem Gesicht freilegen, wie ich beim Abendessen in unserem Botlierscop Game Ressort aus Neugier beobachtet habe)
Jedenfalls war es lustig mit ihnen unterwegs zu sein, nicht nur, weil so eine Burka mit dem angelegten Geschirr und ein Kopftuch mit Helm lustig aussehen, sondern weil sie Spaß hatten, juchzten, lachten usw. Die Guides sagten uns, dass immer mehr Menschen aus Saudi Arabien nach Südafrika kommen, das scheint sich dort gerade rum zu sprechen. Diese Familie hatte einen eigenen Fahrer, fuhr in einem Bus mit Anhänger für das Gepäck, alle, auch die kleinen Kinder hatten ein iPhone, teilweise golden, na, ihr wisst schon: denen geht's gut.

Danach begaben wir uns auf einen Spaziergang zum Big Tree, einem unendlich großen Baum mitten im Urwald. Der Urwald, sehr dicht mit seinen vielen bemoosten und verfallenden Riesenstämmen, ist unglaublich beeindruckend.

Der Weg führte zum Glück über Holzstege, denn die ersten Schlangen könnten wegen der Wärme, die an diesem Tag herrschte, eventuell wieder wach werden. Im Winter schlafen die Schlangen, aber im Sommer soll es extrem viele Puffottern geben, deren Biss ohne Gegengift nach 10 Minuten tödlich ist. 

Apropos freilebende Tiere: Gestern im Monkeypark erzählte uns Ricardo, unser Guide, dass Paviane nur vor Männern Angst hätten, nicht vor Frauen, man laut sein müsse und einen Stock schwingen, um sie zu vertreiben. Darum hatte JC auf dem Weg zum Big Tree einen Pavian-Abwehrstock gesucht, gefunden und mitgenommen. Der lag dann für den Rest unserer Reise fast ausschließlich im Kofferraum.
Nach der Rückkehr gegen 14:30 Uhr bekamen wir unser Zimmer, d.h. wir wurden aus der Ferne auf unser, am Ende der Anlage liegendes Zimmer hingewiesen und schleppten unser Gepäck, entgegen der Versprechung, dass bei unserer Rückkehr alles auf dem Zimmer sein würde, selbst.
Die Anlage des Tsitsikamma Village war rein äußerlich sehr schön mit ihren Häusern im Kolonialstiel rund um einen hübsch angelegten Platz mit Rasen und Blumen, aber wir bekamen ein Zimmer dahinter, in der letzten Ecke der Anlage. Schon der erste Eindruck vermieste uns die Laune. Schmuddelig und ungepflegt von außen, was sich nach innen nicht verbesserte.
Das Zimmer hatte seine besten Zeiten schon hinter sich, war spärlich eingerichtet, ohne Safe und ohne Heizdecke ausgestattet. Wir hatten sofort keine gute Laune, schimpften mit uns, weil wir so verwöhnt seien und fragten dann doch nach einer besseren Unterkunft. Nach einiger Mühe und Telefonaten gelang dies auch für einen Aufschlag von 23 € pro Nacht erhielten wir ein Zimmer am Hauptplatz der Anlage. Das Upgrade lohnte sich, das neue Zimmer hatte alles, was wir im ersten vermisst hatten, auch eine hübsche Terrasse mit Blick auf die Anlage. Die vielen Fliegen, die dort auf uns warteten, störten uns schon gar nicht mehr. Wir haben sie- dank bereit gestellter chemischer Keule- sofort eliminiert  und der Tag war gerettet.

Am Abend wollten wir eigentlich im Ort, in einem hübschen 50-er-Jahre-Restaurant, vollgestellt mit Devotionalien von Elvis und Marilyn essen, aber es hatte zu, wie fast alle Restaurants hier im Storms Revier, denn hier ist "low season". 

Es lohnt sich im Winter wohl nicht, für die wenigen Touristen zu öffnen. Wir fanden es trotzdem gut, ausgerechnet jetzt hier zu sein, denn hier soll es in der Saison extrem voll sein, wogegen wir fast einen Individualurlaub verlebten.
Wir landeten dann in einer schräg gegenüber von unserem Hotel gelegenen Pizzeria, einer kleinen Holzhütte mit einem Tisch, einem großen Pizzaofen, einem Weinregal und einem Bierkühlschrank. Auf einer Tafel standen die Zutaten geschrieben, von denen man sich genau vier als Auflage für seine Pizza aussuchen konnte. Eine kleine, schwarze Frau bereitete die Pizzas dann zu, ein junger, weißer Mann namens Jason gab uns Getränke. 

Da es kein Wein im Glas gab, musste ich eine ganze Flasche kaufen. Den Rest konnten wir später mitnehmen. Wir setzten uns draußen an einen wackeligen Holztisch. Daneben hatte Jason in einem Korb Feuer gemacht. Er setzte sich dann auch gleich zu uns, genau wie Apollo, ein obdachloser brauner Hund, der von der Pizzeriamutti mit Resten gefüttert wird.
Jason, ein 24jähriger, weißer Südafrikaner aus Port Elisabeth, der seine Mutter mit 9 Jahren verlor, dessen Bruder im vergangenen Jahr verunglückte, berichtete, dass er sich mit seinen zwei weiteren Geschwister und seinem Vater überworfen hätte und darum hierher gezogen sei , täglich zwölf Stunden und länger arbeiten müsse und noch nicht wisse, was er verdienen wird. Er erzählte ununterbrochen und ungefragt. Die Hälfte war sicher gesponnen, vieles haben wir nicht richtig verstanden, aber die Pizza war lecker und wir hatten auch dank Jason einen sehr netten Abend.

Bis bald...
Tatjana

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Sonntag, 18. September 2016

Knysna - Von Affen und Vögeln




Südafrika/ Tag 7 (So.) - 28.8.2016

Der Tag begann heute damit, dass Gerhard sehr traurig war, weil sein dicker, braun- roter Vogel mit flauschigem Bauch nicht zum Füttern auf seine Hand kam.


Er hatte mir ein Video gezeigt, wie sein Vogel ihm jeden Morgen aus der Hand frisst. Übrigens bevorzugte das Tier Scheiben-Käse. Nun vermutete Gerhard, eine Katze hätte seinen Freund gefressen. Ich mutmaßte zum Trost, dass er vielleicht eine Freundin gefunden haben könnte. Aber Gehard war untröstlich.


Zwei nette Hausdamen bereiteten uns zum Frühstück die Eierspeisen nach Wunsch, der Kaffee war beim Betreten des Frühstücksraumes bereits fertig und das kleine Büffett aufgebaut. Es war alles vorhanden, was man sich für ein Frühstück wünscht und Gerhard wirbelte immer helfend herum, um auch jeden Wunsch zu erfüllen.
Eigentlich wollte er für uns bei den Whale-Watching-Guides anrufen, um sich nach dem Wellengang zu erkunden, aber wir wollten lieber an Land bleiben. Bei den vielen Angeboten wäre uns die Zeit sonst zu knapp geworden.
Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Auto Richtung Plettenberg Bay, hier Plett genannt, und wurden an einer großen Kreuzung von der Polizei raus gewunken. Man verlangte den Führerschein und die Fahrzeugpapiere. JC stieg aus, um die gewünschten Papiere aus seinem im Kofferraum befindlichen Rucksack zu holen und stellte fest: Er hatte sie aus Angst vor Diebstahl und Überfall nicht eingesteckt, sondern im Tresor unseres Zimmers eingeschlossen. Ich sah uns schon hinter Gittern! Aber der Polizist hatte Mitleid. Er erklärte uns, dass in unserem Kofferraum alles sicher sei, weil er nicht vom Fahrgastraum zu öffnen geht und immer automatisch verschlossen wird. Er ließ uns nach Angabe von Namen und Geburtsdatum (warum auch immer) fahren, allerdings nicht ohne zu betonen, dass es nicht so viele Polizisten in Südafrika gäbe, die so nett seien, wie er.
Gegen 10 Uhr bei strahlendem Sonnenschein erreichten wir das von Gerhard heiß empfohlene „Birds of Eden Reservat“. Das ist die größte Voliere Südafrikas oder der Welt. Auf dem Parkplatz parkten auch zwei Pferde parallel zu den Autos, was sehr lustig aussah. Als wir einen dicken Mann fragten, weil er sie streichelte, ob es seine seien, meinte er: „Nein, die leben hier! FREI!“
Das Vogelparadis ist wunderschön, man läuft auf Holzstegen zwischen den Bäumen. Neben den Futterplätzen stehen Bänke und hunderte verschiedene Vögel flattern herum. Oder schwimmen oder laufen.

Ein im Park liegendes Café konnten wir nicht betreten, weil ein Papageienvogel auf der Klinke saß. Er versuchte mit diesem Trick ins Café  zu kommen. Als die Kellnerin uns öffnete, schaffte er es auch (wurde aber sofort wieder eingefangen und nach draußen gebracht), während ein anderer Vogel auf meine Schulter sprang und so als blinder Passagier sein Glück versuchte.

Auch er wurde von der Kellnerin vertrieben.

Außerdem fiel eine Eierschale, aus der gerade irgendein Küken geschlüpft sein musste, vom Baum direkt vor unsere Füße. Wir waren also bei einer Geburt dabei, ohne zu wissen bei welcher.
Als nächstes haben wir den Affenpark besucht. Das alles sind privat angelegte Parks. Dort werden Tiere aus Privathaltung, von Tierversuchen und aus Zoos aufgenommen, wieder aufgepäppelt und dürfen dann fast frei leben.

Bei den Affen bekamen wir eine Führung auf Deutsch. Ricardo, ein strammer schwarzer junger Mann, dem ein oberer Schneidezahn fehlte, führte uns durch den dichten Wald und zeigte uns alle möglichen Affen.

Die grünen Meerkatzen, die uns im anderen Camp beim Frühstück beobachtet hatten, heißen hier blaue Meerkatzen, weil sie blaue Hoden haben. Ricardo sprach ein sehr gutes Deutsch, welches er nach eigener Angabe in der Schule gelernt hätte und wusste auf humorvolle Art viel zu berichten.

Wir haben hier in Südafrika so viel mehr über die Tiere gelernt, als jemals in einem Zoo in Deutschland. Wer diese Parks erlebt hat, empfindet die Haltung in  europäischen Zoos als Tierquälerei.


Bei jeder Gelegenheit fragten wir die Schwarzen nach ihren Lebensumständen. Sie verdienen extrem wenig Geld, jammern aber nicht, sondern sind im Moment sehr hoffnungsfroh, weil sie sich von der neu gewählten Partei Verbesserungen erhoffen.
Die Arbeitslosigkeit der Schwarzen ist auch so viele Jahre nach dem Ende der Apartheid extrem hoch. Wer arbeitsfähig ist, bekommt keine finanzielle Unterstützung vom Staat. Kinder bekommen mtl. 15 €, Rentner 100 €, was zum Leben nicht reicht. Alle anderen überleben mit Gelegenheitsjobs oder klauen, sagte Ricardo. Außerdem trafen wir im Monkeyland einen deutschen 18-Jährigen, der dort für ein halbes Jahr als Volontär arbeitete. Was für eine wunderbare Möglichkeit, Land und Leute kennenzulernen!
Im Knysna Elephant Park, wo wir danach waren, arbeiteten fast ausschließlich Menschen aus Simbabwe. Sie machen die Arbeit, auf die die Südafrikaner keine Lust haben, sagten sie. Unser Guide hieß Wilfred (er scherzte, er sei Deutscher, der zu lange in der Sonne war) und erklärte, sein Name bedeute "want peace". Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern, eins erst eine Woche alt, in der Nähe des Parks und kümmert sich rund um die Uhr um Elefanten und Touristen.

Er und seine Landsleute in Simbabwe wünschen sich für ihr Heimatland einen Weißen, möglichst Deutschen an der Macht, weil die mehr Ahnung von Wirtschaft hätten, erklärte er uns. Im Gegensatz zum Addo-Elephant-Park in Port Elisabeth, kamen wir hier in Knysna ganz dicht an die Elefanten ran. Wir fütterten sie und durften sie streicheln.

Wilfred zeigte uns die Übernachtungsunterkunft der Tiere, erzählte uns die Geschichte des Parks und der Elefantenpopulation in Südafrika.
Am späten Nachmittag fuhren wir nach Brenton on Sea, einem kleinen Ort auf der Rückseite der Halbinsel, auf der wir gestern das Naturreservat besucht hatten, und direkt am Indischen Ozean gelegen. Hier sah es aus wie in einem Kurort: der kilometerlange Strand, die Hotels, Guesthouses und Straßen- alles sehr gepflegt.
Für unseren Kaffe, ein Stück Torte und eine Packung Schokoküchlein haben wir im Café eines Hotels am Strand nur 5 € bezahlt.
Was uns bei unseren Autofahrten noch auffiel: Hier in Südafrika gibt es viel weniger Verkehrsschilder als in Deutschland, trotzdem ist alles verständlich, es gibt keine Werbeplakate an den Straßen, Schilder für Touri-Attraktionen sind einheitlich braune Wegweiser. Das gefällt uns sehr gut.
Außerdem versperren keine Hotelhochhäuser die Sicht auf die Naturschönheiten. Es gibt überwiegend kleinere Hotels, Pensionen und B&B´s.
In unseren Zimmern schliefen wir immer in Doppel- Betten mit nur einer Matratze und einer Zudecke, was JC und mich aber auf eine harte Probe stellte. Immer wenn er sich bewegte, fehlte mir Decke und ich schwang matratzentechnisch nach. Aber im Urlaub geht das schonmal.
Am Abend waren wir auf Thesen Island, einer der Inseln in der Knysna Lagune, zum Abendessen. Auf dieser Insel sieht es aus wie in Port Andrax auf Mallorca. Viele beleuchtete Geschäfte, schmale Straßen,  Brücken,  Ferienhäuser,  Bootsanleger und unzählige Immobilienmakler. Alle Bäume sind mit Lichterketten geschmückt. Das Restaurant war eine gute Empfehlung von Gerhard. Ich habe ein Rinderfilet gegessen, so zart und saftig- unglaublich. JC entschied sich für den besten Burger seines Lebens. Also, Fleisch können die Südafrikaner, das schafft nicht mal ein deutsches Sternerestaurant. Und erst recht nicht zu solchen Preisen. Wir haben für alles 20 € bezahlt.

Bis bald...
Tatjana

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Samstag, 17. September 2016

Von Mossel Bay nach Knysna



Südafrika/ Tag 6 - 27.8.2016

Heute früh haben wir beim Kaffee auf der Terrasse eine große Fasanenfamilie beobachtet. Ungefähr zwanzig Tiere hatten im Baum vor unserer Terrasse übernachtet. Nach dem Sonnenaufgang hörten wir lautes Plumpsen und sahen: Die Vögel ließen sich einzeln nacheinander von dem Baum fallen. Als die Gruppe vollständig den Boden erreicht hatte, starteten sie auf ihren morgendlichen Jogging-Parcours. Unter unserer Terrasse hatten einige Antilopen übernachtet und beim Frühstück beobachtete uns eine Affenbande durchs Fenster.
Der Abschied fiel uns schwer. 

Trotzdem freuten wir uns auf neue Abenteuer und starteten gleich nach dem Frühstück Richtung Knysna. 


Auf der ca. 2 stündigen Fahrt konnten wir uns von einem atemberaubenden Anblick zum nächsten kaum erholen. Riesige Strände in Wilderness, dichte Wälder, auf die die Südafrikaner wegen ihrer Seltenheit besonders stolz sind, Berge, Flüsse, Seen, Serpentinen. Am Straßenrand tummelten sich jede Menge Paviane. JC meinte: „Das scheinen die Wildschweine Südafrikas zu sein.“
Bereits um 11 Uhr überfuhren wir die Brücke über die Lagune Knysnas und sahen das B&B Guesthouse, die Oyster Creek Lodge, in der wir die nächsten beiden Nächte verbringen wollten.Ein Holzhaus, welches mitten in einem Landausläufer in der Lagune steht, mir gehen die Superlative aus, so schön war es dort.


Kaum angekommen, empfing uns der Manager Gerhard, um sich gleich um das Gepäck zu kümmern. Gerhard ist so freundlich und bemüht, dass man ihn sofort gern haben muss. Er erklärte uns alles zum Haus, stellte das Personal vor und schwärmte von den touristischen Möglichkeiten rund um Knysna. Keine Frage blieb unbeantwortet.
Gerhard, ist geborener Südafrikaner, sieht wie ein Engländer aus und ist ein begeisterter Liebhaber seiner Heimat. Er hat uns vor allem den Vogel- und den Elefantenpark sowie das Whalewatching empfohlen und schwärmte von allem so sehr, dass wir auch alles unbedingt machen wollen. Das von ihm geführte Guesthouse ist komplett aus Holz und hat 10 Zimmer, einen großen  Aufenthaltsraum mit Küche, die wir z.B. Zum Kaffee kochen nutzen können, Fernseher und Kühlschrank, aus dem man sich rausholen kann, was man möchte. Dort wird es morgen auch Frühstück  geben. Für die große  Terrasse, die alle Zimmer verbindet, liegen Sitzkissen und Decken bereit. „Fühlt euch wie zu Hause! Das gehört euch in den nächsten zwei Tagen!“ sagte Gerhard und führte uns in unser Zimmer, das wir trotz unserer frühen Ankunft schon beziehen durften. Das Zimmer ist zweckmäßig eingerichtet, auf dem Nachttisch stand für jeden eine Flasche Wasser, Dessertwein, Wasserkocher und Kaffeetütchen waren ebenfalls vorhanden. Diese Kleinigkeiten machen das Touristenleben hier besonders sympathisch.
Auf der Gemeinschaftsterrasse mit Blick auf die Lagune tranken wir  erst einmal eine Tasse Kaffee und Gerhard schwärmte von den Vögeln, die hier leben. Er füttert freilebende Vögel aus der Hand und kann alles über die Tierwelt erklären.
Dann brachen wir zur vielgerühmten Waterfront Knysnas auf. Dort gibt es jede Menge Restaurants, Cafés  und Läden. 



Knysna ist eine kleine, sehr touristische Stadt, die beliebteste an der Gardenroute (was man besonders am Wochenende merkt, obwohl Winter ist) gelegen zwischen Bergen und der Lagune, die durch eine schmale Felslücke in den Indischen Ozean mündet. In der Lagune liegen zwei Inseln, auf denen  sich nur sehr reiche Menschen ein Haus leisten können, sagte man uns. Für Deutsche erscheinen die Preise nicht ganz so hoch, wie wir an den Bildern eines Immobilienmaklers erkennen konnten.
Egal, wo man hinschaut, alles sieht wunderschön aus. Von der Waterfront aus haben wir eine Tour zum Featherbed Naturreservat gebucht. 


Das liegt am Ende der Landzunge auf einem Felsen, die die Lagune von Westen her begrenzt und ist nur mit dem Boot erreichbar. Mit uns fuhr auch eine deutsche Reisegruppe aus Bamberg und wir wussten sofort wieder, warum wir so gern allein unterwegs sind. So ein Lärm, Gequatsche und Generve! Einige von denen verhielten sich, als hätten sie zu viel Wein getrunken oder das Falsche geraucht. Klopften mit den Spazierstöcken auf Holz und riefen rhythmisch, dass sie soweit seien u.ä Unfug. Sie seien in 14 Tagen Tausende Kilometer mit Bus und Flugzeug unterwegs, wie uns ein Mann erzählte. Er käme zwischendurch nicht einmal zum Rauchen, immer in Eile und zum nächsten Highlight unterwegs.


Die Reiseleiterin für unsere Bootstour zum Naturreservat sprach ein sehr gutes und verständliches Englisch. Das Federbett Reservat heißt so, weil die ersten Seefahrer zuerst auf der Seite zum Indischen Ozean auf der Halbinsel übernachteten und später auf der Seite zur Lagune. Danach stellten sie fest, dass man auf der Lagunenseite wie in einem Federbett schliefe. Wir erfuhren außerdem, dass es in der Lagune Salz- und Süßwasserfische gibt und  von Juli bis September auch Delfine und Wale. 
Im Naturreservat angekommen fuhren wir in Hängern an einem Unimog bis auf den Gipfel des Berges, wanderten dann ca. 2,5 km bis an die Anlegestelle zurück, bestaunen die Natur, das Meer, die Felsen und erfuhren endlich, wie die nach Cannabis riechende Pflanze heißt: Buchu. Sie blüht dieses Jahr besonders stark, was diesen aufdringlichen Geruch begründet.

Als wir nach 3 Std. zurück waren, aßen wir in einem, uns von anderen Touristen empfohlenen Restaurant namens "34 South" frischen Fisch. Das Restaurant an der Waterfront ist sehr cool eingerichtet, der Tresen wirkt wie der in der KDW-Feinschmecker –Etage für Backpacker. 


Natürlich gibt es Austern, dafür ist diese Region bekannt, aber wir mögen sie nicht. Richtig begeistert waren wir von dem Essen im "34 South" nicht, begründeten uns das aber damit, dass wir von den vorangegangenen vier Tagen zu sehr verwöhnt seien.



Bis bald...
Tatjana

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